Mehr TV



Unser Dokumentarfilm:

Mein Ingolstadt - Der Film


Besuche uns auf Facebook:

Werde Fan!

Kanalauswahl Kino News B12 - Gestorben wird im nächsten Leben

  • 0 comments

Ein Stunde Fahrzeit von Ingolstadt aus. Dann ist man am Schauplatz des Films von Christian Lerch über das "Rasthaus B12" bei Hohenlinden..

 
"B 12 - gestorben wird im nächsten Leben" ist ein Dokumentarfilm, der an einer normalen Raststätte irgendwo auf dem Land entstand. Und doch ist der Film einer der wohl außergewöhnlichsten bayerischen Filme, der je auf Leinwand zu sehen war. Vor allem, weil die Menschen darin viel von sich preisgeben. Weil sie in Situationen zu sehen sind, wo andere wohl gerne alleine wären.
Wer auf dem Weg von Hohenlinden nach Ebersberg oder München die Bundesstraße B 12 nimmt und  an dem Schild mit der Aufschrift "Rasthaus B 12" aussteigt, der würde nie vermuten, dass hier ein Kinofilm entstanden ist. Hier, wo sie schon vormittags sitzen, Biere leeren, Aschenbecher füllen und Geschichten erzählen.

Der Stern schreibt: "Lerch hat einen Ort entdeckt, wo unterschiedlichste Lebensentwürfe aufeinander treffen, ohne dass man dies arrangieren müsste."

Vier Jahre hat es gedauert den Film zu drehen. Hunderte Stunden an Material hat der Co-Autor von "Wer früher stirbt ist länger tot" angehäuft.

Im dem 90-minütigen Film ist Lerch nicht zu sehen und kaum zu hören. Es geht auch nicht um ihn, sondern um das Leben von Mane, dem Wirt, und dessen Vater Lenz.

 

 Er möchte so gern sterben, der Lenz, aber er kann’s einfach nicht. Der Altwirt der Raststätte B12 ist 89 Jahre alt. Ein Schlaganfall hat ihn schwer getroffen. Wie schwer, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Behörde hat ihm die Pflegestufe wieder aberkannt, weil er beim Kontrollbesuch ans Telefon gegangen ist, statt im Bett liegen zu bleiben. Auch das Mitleid seines Sohns Manfred hält sich in Grenzen. Aber Lenz beharrt darauf: Es gehe ihm fürchterlich, er sei so gut wie blind, könne gar nichts mehr unternehmen. Er ist weinerlich. Er will sterben. Aber weil das halt nicht klappt, kann er auch mal eine gute Leberknödelsuppe essen oder eine Maß Bier trinken. Und Tag für Tag in der Raststätte sitzen, die er seinem Sohn schon zu Lebzeiten vererbt hat, samt Schulden. Die Freunde vom Stammtisch sind schließlich auch alle da: Konrad, der einst König des Rock’n’Roll-Tanzes war und bald eine neue Hüfte kriegt, Parkplatzwächter Mane, der mehr trinkt als spricht, und der stoisch gut gelaunte Franz, der Lenz’ ewige Vorwürfe und Beschimpfungen gekonnt ignoriert. Das B12, in dem sie sich treffen, ist auf den ersten Blick ein unauffälliger Ort, eine etwas heruntergekommene Imbissbude inmitten einer wilden Ansammlung von Gebäuden und Containern. Doch die Stammgäste und Durchreisenden verhandeln hier die großen Lebensthemen: Liebe, Tod, Freundschaft und die Qualität eines Saukopfs. Die Männer, die hier täglich sitzen und trinken, reden und schweigen, sind allesamt Originale. Viel besitzen sie nicht, aber Humor, Gemeinschaftssinn und Gelassenheit auf alle Fälle. Wenn Wirt Manfred ein Nebengebäude renovieren will und die befreundeten Handwerker alle drei Fenster falsch herum einbauen, dann ist das zwar saudumm, aber irgendwie auch wurscht. Die Handwerker trinken ihr unverdientes Feierabendbier, und dann wirft ihnen der Spielautomat auch noch ein kleines Vermögen aus.
So ist das Leben halt: Glück und Unglück, Spaß und Verdruss, Freud und Leid liegen eng beieinander. Und im B12 noch ein bisschen enger. Ist dieser Ort nun kaputt und deprimierend? Ein Ort, an dem ununterbrochen Autos vorbeirauschen und wo der alte Lenz in einer ehemaligen Großküche haust? Oder doch ein besonderer Ort, wo immer was los ist, wo viele eine Heimat gefunden haben, wo ein 89-jähriger vom Sterben redet und dabei höchst vital ist? Das ist Ansichtssache, das entscheidet der Zuschauer. Wer über das B12 nachdenkt, denkt über das Leben nach.

Eine Autostunde von Ingolstadt entfernt gibt es diesen Mikrokosmos, der so viel mehr mit unserem Leben zu tun hat als Facebook, YouTube oder Instagram.

In Ingolstadt ist der Film leider nicht mehr zu sehen. Aber werdennoch irgendwie die Chance hat, sollte sie nutzen.

Bild- und Textquelle: Filmpresskit / Südkino Filmproduktion GmbH, Lerchfilm

Mehr Medien in "Kino News"